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Thomas Baumhekel
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Thomas Baumhekel
23.04.2002 – 31.07.2014 XI
Tusche, Acryl, Bleistift auf Papier
79 x 76,6 cm

Zum Blatt XI vom 31. Juli 2014

Zeitschichten und Bedeutungsebenen: vom Juli 2014 zurück ins Jahr 2002.
Gestisches Zeichnen mit dem Tuschpinsel ist zugleich Erzählen eines Gehaltes,
dessen Komplexität im „Dickicht der Zeichen“ anklingt, der in Teilen zu entschlüsseln
ist, sich jedoch in Gänze dem Verständnis entzieht – vielleicht gewollt. Nun klingt
dieser Inhalt – der Pferdekopf, der Ochsenkopf, der abwesende Staub auf dem
Spiegel – nur noch an: Eine weiße Farbschicht ist Jahre später – wie ein Schritt
zurück, Distanz suchend – darübergelegt worden. Die Zeichen scheinen noch durch,
aber eher wie eine Erinnerung an das, was Jahre zuvor wichtig war, das aber heute
zum Material für Neues geworden ist. Dieses Neue ist eine Form, die in ihrer Gestalt
nicht wirklich bestimmbar ist: Ein keramisches Objekt, das mal kantig-eckig, mal
einseitig rund geschliffen in Erscheinung tritt. Sein matter grauer Farbton findet sich
wieder in einer Fläche, die in ihrem Ausmaß nicht recht einzuordnen ist zwischen
Quadrat und Rechteck. Fast mittig sitzt sie auf dem kreidigen Weiß und erfährt ihre
Definition erst später: Durch wenige, mit einem dicken Bleistift im Juli 2014 immer
wieder neu ansetzend gezogene Linien, die die graue Fläche ins Längsrechteckige
überführen. Was im Atelier auf einem Sockel aufgestellt ist, als dreidimensionales
Objekt, wird in die Fläche übersetzt, und doch scheint in Andeutung auf, wie es sich
im Raum verhält, wobei der blockhafte Charakter der Leichtigkeit gewichen ist. Die
zwei Linienpaare, die nun das Grau vertikal durchziehen, verweisen auf die Rillen
einer gegebenen, aber unbekannten Funktion. Als einzelnes Zeichen zu lesen wie
auch die darunterliegende Skriptur lässt es eine maschinelle Zurichtung erahnen, die
die industrielle Bestimmung schon lange hinter sich gelassen hat. Die ehemals
gegebene Norm hat sich in der Offenheit der Konturen, im Bruch der Linien
verflüchtigt. Das Ding ist anwesend – und doch auch nicht.
Auf dem Grund des Papiers links unten aber sitzt die Signatur: BAUMHEKEL und
das Datum: 31.7.14. In der weißen Übermalung ausgelassen, befindet sich nun
zuunterst, was doch zuletzt erfolgte – das Blatt in seinem Jetzt-Zustand freigebend,
vielleicht aber die Revision sich vorbehaltend.

Agnes Matthias

Zur Künstlerseite von Thomas Baumhekel bei der Galerie Friedrich Müller

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