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Kommende Ausstellung
Galerie Friedrich Müller
Raffi Kaiser
Neue Arbeiten
3. März – 7. April 2018

Raffi Kaiser
Neue Arbeiten
3. März – 7. April 2018

Eröffnung:
Samstag, 3. März 2018, 11 – 14 Uhr
Der Künstler ist anwesend.


Pressetext

Raffi Kaisers (*1931) „Neue Arbeiten“ zeigen entrückte, zugleich erzählerische Naturmomente und Landschaften, die auf Erinnerungen an Reisen vor allem durch den Nahen und Fernen Osten zurückgehen. Seit Jahrzehnten gibt es für den Künstler nur ein Bildthema: die Landschaft. Das Reisen ist für ihn künstlerische und innere Notwendigkeit.

Die nun in der Ausstellung zu sehenden Zeichnungen sind innerhalb der letzten drei Jahre entstanden – einer Zeit, die für den Künstler von gesundheitlichen Rückschlägen geprägt war, bis glücklicherweise nun vor Kurzem seine vollständige Genesung wieder eingetreten ist. Zu keinem Zeitpunkt hat es sich Kaiser nehmen lassen zu zeichnen.

Das Spektrum der hier versammelten Werke reicht vor diesem Hintergrund von kleinen Formaten, in denen er sich organisch wirkender Gebirgsformationen erinnert, über mittlere Formate, die geheimnisvolle Orte mit tiefen Schluchten, einsamen Landinseln oder beinahe sprechenden Bäumen zeigen. Bis hin zu den erst kürzlich entstandenen, für den Künstler so charakteristischen, aufwendigen, großen Landschaften. Sie sind geprägt vom schweifenden Blick – ob horizontal oder vertikal – und einer globaleren Naturwahrnehmung. Allen Arbeiten ist die der ostasiatischen Tuschmalerei verwandte Leere eigen, die Kaisers Naturerinnerungen atmosphärische Stille trotz formaler Bewegtheit einhaucht.

Die in den letzten Jahren vermehrt gezeichneten mittleren Formate wirken wie das Zurückdenken an bestimmte Momente und Orte – Schauplätze der Natur. Dies rührt von der narrativen Ausdruckskraft der intuitiv herausmodellierten Hügel, Höhlen und Abgründe her. Eingebettet in die weiße Leere des Papiers scheinen sie so entrückt wie Visionen.

Beim wandernden Blick durch die Landschaft kommt es immer wieder zu erzählerischen Kontrasten von Formen, Bewegungen und Stimmungen – Kräfte wirken miteinander und gegeneinander. Ein offener Dialog der Natur entfaltet sich vor dem Auge des Betrachters: Störrisch und rau ragen die Felsbrocken empor, während Sandhügel elegant davonmäandrieren. Bedrohlich klafft der schwarze Abgrund auf, während feine Hügelketten sich luftig-tänzelnd dahinziehen. Naturschauspiele aus Anspannung und Entspannung. So gibt Kaiser mit seinen nüchternen Zeichenmitteln in dieser Ausstellung vor allem der sinnlichen Körperlichkeit der Landschaft Gestalt.

Trotz dieser physisch erfahrbaren Annäherung spürt der Betrachter gleichzeitig Unnahbarkeit und Ehrfurcht vor der Urkraft und Größe der Natur. Dieser enigmatische Charakter ist formal neben dem einnehmenden Monochrom und der Leere als intrinsisches Gestaltungsmittel zurückzuführen auf die Abwesenheit des Menschen und den Verzicht auf Licht und Schatten. So befreit von Raum und Zeit, so abseits der rein äußeren Wirklichkeit, scheinen manchmal sogar leise phantastische Elemente auf.

In ihrer Eigenwilligkeit und stillen Versenktheit gewinnen Kaisers Naturzeichnungen etwas Überzeitliches – was sie auch in Anbetracht des Mediums zu einer Ausnahmeerscheinung in der zeitgenössischen westlichen Kunst der Landschaftsdarstellung werden lässt.

Pauline Drichel

Abbildungen und weiter Informationen unter:
www.japan-art.com

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