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Galerie Friedrich Müller
Ausstellung
Raffi Kaiser
Drawings
24. Januar – 28. Februar 2015

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Raffi Kaiser

Drawings

Ausstellungsdauer
24. Januar – 28. Februar 2015

In der Ausstellung zeigen wir neue Zeichnungen
von Bäumen und Landschaften.

Pressetext

Raffi Kaiser ist ein Verehrer der Natur – auf seine eigene bescheidene und unpathetische Art. Vor allem großformatige Landschaften – monochrom, reduziert und räumlich unbestimmt – sind dadurch entstanden. Sie sind Erinnerungen an die erhabene Natur, wie er sie auf seinen Reisen durch Asien erlebt hat. Aber nicht nur an die Natur als großes Ganzes entsinnt er sich zurück, wenn er in seinem Pariser Atelier vor dem weißen Blatt Papier steht. In sein zeichnerisches Schöpfen finden ebenfalls einzelne Landschaftsmomente Eingang: dann fühlt er der Natur in der Vielfalt ihrer Felsformationen nach, oder dem unerschöpflichen Formenwachstum alter Olivenbäume. Eine Verehrung der Natur im Großen und im Kleinen.
Dieser zweiten Seite seines künstlerischen Schaffens widmet sich die Schau „Raffi Kaiser. Drawings“. In ihrer Gesamtheit zeugen die hier zusammengeführten Zeichnungen von der ostasiatisch geprägten Naturwahrnehmung des westlichen Künstlers. Präsentiert werden erst im letzten Jahr entstandene Reflektionen über und Imaginationen von Bäumen, Schluchten oder Höhlen und kleineren Landschaftsräumen.

Die Olivenbäume in Apulien, die er sah, fotografierte und jetzt aus der Erinnerung zeichnet sind für Kaiser eigenständige Persönlichkeiten – Baumpersönlichkeiten, wie er sie nennt. Sie präsentieren sich dem Betrachter vor leerem oder wenig gestaltetem Hintergrund, wie auf einer Bühne. Im Kontrast zu der sie umgebenden Leere kommt ihr ausdrucksstarkes Formenwachstum besonders zur Geltung. Regelrechte charakteristische Wesenszüge, ja sogar menschliche und tierische Formen, entfalten sich im skulpturalen Eigenleben der Baumstämme. Indem der Künstler ihre eleganten Windungen, aber auch wuchernden Furunkel und tiefen Höhlen zeichnend nachvollzieht, fühlt er sich in den Baum als ursprünglichem Naturgegenstand ein. Er tut dies allerdings bar jeder religiös-mystischen Gesinnung, immer aber in Bewunderung für solch eine erstaunliche Formfindung der Natur.

Die gleiche Ehrfurcht bringt er den zeichnerisch ebenso intuitiv erfassten Schluchten und Höhlen entgegen. Sie haben wie die erzählerischen Baumgebilde etwas Narratives an sich. Man meint das Knacken und Krachen bröckelnden Gesteins förmlich zu hören und das tiefe Schwarz der Höhlen entfaltet eine bedrohliche Anziehungskraft, zieht den Blick des Betrachters in sich hinein.
Im Gegensatz zu jenen manchmal verschreckenden Formationen, wirken die ebenfalls kürzlich entstandenen in der Luft schwebenden Landstriche wie idyllische Orte: entlang tänzelnde Linien verweben sich schließlich locker zu fantastischen (Baum)Inseln.
Was Kaiser hier geschehen lässt, besitzt ungewollt dramaturgischen Charakter: feine Striche kommen aus dem Nichts und verdichten sich an einem Punkt des Blattes zu formenreichen Naturgebilden. Aus dem Gefühl heraus spitzen sich die Erinnerungen zu diesen ausdrucksstarken Landschaftssituationen inmitten blattweißer Leere zu – oder die Leere durchzieht die Fels- und Baumlandschaften luftig und bedeutungsvoll. Das lässt dem Betrachter Raum für eigene Gedanken.

Für den Künstler ist der Prozess des Zeichnens ein Prozess des Verstehens: er möchte Strich für Strich (und Leere für Leere) nachvollziehen, was diese mit allen Sinnen wahrnehmbare, aber so schwer begreifbare Einheit der Natur ausmacht. Seine Zeichnungen versuchen jene verborgene Wahrheit in der ihnen eigenen Stille meditativ zu ergründen.

Diese Form der Landschaftszeichnung unterscheidet sich stark von anderen Postionen der Gegenwartskunst. Kaiser aber führt dem Betrachter auf eben jene Art und Weise, manchmal behutsam, manchmal etwas heftiger, die Erhabenheit, auch Unfassbarkeit, der Natur vor Augen. Ein bescheidenes Ansinnen seiner Kunst ist es, dadurch die Menschen wieder zum aufmerksamen Betrachten der Natur und zum Staunen über sie bewegen zu können.

Pauline Drichel

Weiter Infomationen zur Ausstellung:
Galerie Friedrich Müller

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